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Nicht jedes erfolgreiche Buch ist auch ein gutes Buch. Mit viereinhalb Millionen verkauften
Exemplaren weltweit ist "Der Alchimist" von Paulo Coelho zwar höchst
erfolgreich, dennoch ein ziemlicher Schmarrn.
Der Hirte Santiago hat wiederholt einen Traum, daß sich unter den Pyramiden in ägypten
ein gewaltiger Schatz befindet. Er versetzt seine Schafe an Wahrsager und allerhand gute und weise
Menschen, die ihm raten, sich auf den Weg zu machen, um seinen Schatz zu heben. Auf seiner Reise
von Andalusien nach ägypten lernt er in einer Oase die Frau seines Lebens kennen. Am liebsten
möchte er bei Fatima bleiben, doch sie weiß, daß Santiago seiner Bestimmung folgen
muß. Der ehemalige Hirte löst in der Wüste allerhand Aufgaben und besteht reichlich
Abenteuer, wie es sich für ein Märchen von einem der auszog gehört.
Schließlich gelangt er zu den Pyramiden und fängt an, nach seinem Schatz zu graben, um
zu erfahren, daß dieser in der kleinen Kirche in seiner Heimat verborgen liegt, wo er ihn
auch findet. Bedeutungsschwanger endet der Roman: "'Ich komme zu dir, Fatima',
sagte er".
Das Ganze klingt wie ein schlichtes altertümliches Märchen, vielleicht aus der Feder von
Hermann Hesse. Es vergeht aber keine halbe Seite, auf der der Autor keine banalen esoterischen
Weisheiten in immer neuen Variationen verbreitet. "Alles ist in einem" wird bis
zum Schluß mehrere Dutzend mal wiederholt, bis es auch der letzte kapiert hat, ebenso: Gehe
nur Deinen Lebensweg, dann wirst Du alles erreichen, und das ganze Universum wird Dir beistehen,
denn es gibt eine Weltenseele! Hinzu kommen ein paar christliche und ein paar moslemische
Weisheiten, die Santiagos Bekanntschaften von sich geben - sei es der ominöse Alchimist, der
ihn zu den Pyramiden bringt, sei es ein König, der ihm seine Träume zu deuten hilft, sei
es der Wind oder die Sonne, welche ihm bei Gefahr helfend zur Seite stehen. Es gibt sogar einen
richtigen Antihelden, und zwar einen Engländer, der sich vergeblich müht, Alchimist zu
werden, um den Stein der Weisen zu finden. Statt sich in Anschauung der Dinge zu üben,
studiert er nämlich schlaue Bücher - Coelho läßt tatsächlich kein
Klischee aus. Fazit: "Der Alchimist" nennt sich fälschlicherweise
Roman. Was dahintersteckt ist esoterische Erbauungsliteratur.
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Paolo Coelho. Der Alchimist
Bestseller. Diogenes,
ISBN: 3-257-06126-9
© Matthias Kehle
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