Louis-Ferdinand Céline |
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Briefe und erste Schriften aus Afrika 1916-1917 |
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Louis-Ferdinand Céline war ein zerissener Mensch und umstrittener Schriftsteller. Er deckte Widerstandskämpfer und kollaborierte mit der Vichy-Regierung; er verfaßte antisemitische Hetzschriften und schrieb gewaltige Romane von Weltrang wie die "Reise ans Ende der Nacht", die mit ihrer Sprache Autoren wie Henry Miller und Günter Grass beeinflußten. Gerade 22jährig reiste der im ersten Weltkrieg Verwundete im Auftrag einer
französischen Handelsfirma 1916 nach Kamerun - die ehemalige deutsche Kolonie war bereits in
französischen Besitz übergegeangen. Sein Leben war bislang unstet verlaufen.
Louis-Ferdinand war Lehrling, Laufbursche, Fabrikarbeiter und Soldat gewesen und suchte nun in
Afrika sein Glück. Schnell stieg Destouches - wie er bürgerlich hieß - zum
"Direktor einer Kakao-Pflanzung" auf und schreibt während der beiden Jahre
in Afrika eine große Zahl an Briefen, vor allem an seine Eltern und an eine Freundin.
Während er an seine Eltern Sachbuchliche Briefe mit der Bitte um Zusendung von allerlei
Lebensnotwendigem schreibt, berichtet er Simone Saintu vom Kampf mit dem Alltag, von der Langeweile
und vom Klima. Den Einheimischen geht er so gut es geht aus dem Weg. Nicht nur, daß er bei
ihnen - eher ironisch - Kannibalismus vermutet und Frauen meidet ("sie haben alle die
Syphilis"), er hält "die Neger" nicht eben für vollwertige Menschen.
Mit dem Ziel, "einen Haufen Geld zu machen", quält er sich von Tag zu Tag,
schreibt Witze und Rätsel an Simone und äußert sich wenig schmeichelhaft über
Künstler wie Rodin. Céline schreibt erste Gedichte, er fabuliert, was er angeblich in
London oder Paris erlebt hat, und er wendet sich gegen den Krieg. Mit bemerkenswerter Klarheit
formuliert er aphoristisch knapp, was heute leider immer noch aktuell ist ("Ob man eine
kriegstreiberische oder pazifistische Gesinnung vertritt, stets wird man sich mit seinen Argumenten
im Irrtum befinden").
© Matthias Kehle |
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