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An einem schwülheißen Tag im Juni wird in der Nähe von Karlsruhe der
jugendlicher Mörder Christian S. mit einem Hubschrauber aus dem Gefängnis befreit.
Petzold, der Polizist, der ihn verhaftet hat, wurde dabei schwer verletzt. Obwohl er
krankgeschrieben ist, macht er sich auf den Weg zur Mutter des Mörders. Eigentlich will er
sich bei ihr entschuldigen, weil er im Präsidium ausfällig geworden ist- jedoch
läßt sie ihn vor der Tür stehen. Später ruft sie ihn an und bittet ihn in ihre
Wohnung auf dem Geigersberg, einem Karlsruher Nobelviertel.
Petzold ist leidender Held dieses zweiten Krimis von Wolfgang Burger, denn er ist noch nicht
darüber hinweg, daß seine Freundin ihn verlassen hat. Er verbringt fast das ganze
Wochenende bei Maria Schönwald, der Mutter von Christian, die ihn gleichzeitig fasziniert und
nervt. Während er sich mit ihr auseinandersetzt, observieren die Kollegen von der Streife
statt Marias Haus ein ganz anderes und wundern sich, wie ruhig alles ist.
Die Mutter hat Angst um und vor ihrem Sohn. Es ist für Petzold schwer, ihr Vertrauen zu
gewinnen und von ihr Informationen über das familiäre und geschäftliche Umfeld
zu erhalten, denn zwischenzeitlich weiß er nicht, auf wessen Seite sie steht. Marias Sohn hat
sich von einem musisch talentierten Kind in einen schrägen Vogel verwandelt, der auf die
schiefe Bahn geraten ist, obwohl er aus einem guten Haus stammt. Die Kollegen im
Bereitschaftsdienst, die übermüdet und gestresst sind, kommen durch Recherchen zu den
gleichen Informationen wie Petzold.
Die in verschiedenen Erzählsträngen angelegte Handlung wechselt die Perspektive von der
aktiven Polizeiarbeit zur zermürbenden Psychologie in der unterkühlt klimatisierten
Atmosphäre der Villa. Das Buch gewinnt Lokalkolorit durch detailreiche Beschreibung der
Kneipenszene und der Ortsbeschreibung der näheren Umgebung, des Kraichgaus. Die Untersuchungen
sind weitreichend, es werden Zeugen aus der Homosexuellenszene verhört, da der Junge als
Stricher unterwegs war. Pikanterweise wird die Firma seines Stiefvaters auch vom
Wirtschaftsdezernat ins Visier genommen, weil sie in dubiose Waffengeschäfte verwickelt
ist.
Viel Lokalkolorit schwingt in Burgers Zweitling mit. Zu Petzold, der schon in seinem ersten Band
Hauptfigur war, gehört Karlsruhe wie der Ruhrpott zu Schimanski. Mit ironisch distanziertem
Blick hat Wolfgang Burger einen spannenden und unterhaltsamen Krimi geschrieben, der sich von
anderen angenehm abhebt, weil er sich nicht allzu ernst nimmt.
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Wolfgang Burger. Marias Sohn
Krimi. Elefanten Press, 251 Seiten.
ISBN: 3-885-20091-4
© Matthias Kehle
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