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Was ist plötzlich mit den Deutschen los: Sie haben einen Kanzler, der sich in
Design-Anzügen ablichten läßt und in "Wetten Dass..." posiert,
während sein Vorgänger es schaffte, Thomas-Gottschalk in einem Restaurant keines Blickes
zu würdigen? Englands Boulevardblätter wundern sich über Guildo Horns Auftritt beim
Grand-Prix: Ein derart schräger und vor allem bunter Deutscher, der sich überhaupt nicht
ernst nimmt?
Jürgen Bräunlein, promovierter Medienwissenschaftler, nimmt ein Phänomen unter die
Lupe und untersucht die neuerliche Dominanz der Form gegenüber dem Inhalt, die Verabschiedung
der Hochkultur durch die Spaßkultur. Schließlich haben die jungen Intellektuellen
entdeckt, dass man auf der unteren Ebene der Kultur viel Spass haben kann, und dass Humor à
la Guildo Horn auch noch doppelbödig ist.
Bräunlein holt aus und beginnt mit der sog. "Camp-Kultur", wie sie Susan Sonntag
schon in den 60-er Jahren beschrieb. Die Kunstprodukte des "Camp" beginnen mit Greta
Garbo, mit den Drag-Queens, denen der Schein stets wichtiger war als das Sein, Bräunling
erinnert an die ultimativen B-Western oder Jeff Koons, dessen Werke weder Kitsch noch Trash sind,
aber auch keine Kunst im deutschen Hochkultursinn.
Bräunling konstatiert auf unterhaltsame Weise, dass die Untalentierten schon zu Beginn des
Fernsehens auf die Bühne durften und etwa als Briefträger Peter Frankenfeld assistierten.
Heute jedoch treten Massen von Untalentierten auf, und das Verrückte ist, dass gestandene
Literaturprofessoren täglich "Marienhof" glotzen und während dieser Zeit nicht
ans Telefon gehen. "Promis" wie Jenny Elvers oder Verona Feldbusch haben keinen Beruf, es
ist die Rückkehr der Dilettanten, die so faszinierend ist.
Während Medienkritiker immer wieder auf das Fernsehen einhacken, amüsiert sich
Bräunling darüber und ruft ins Gedächtnis, dass jede neue Errungenschaft zu
allererst die Skeptiker auf den Plan rief. Er sieht schon kommen, dass künftige Medienkritiker
der guten alten Zeit des Privatfernsehens nachtrauern.
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Jürgen Bräunling. Schön blöd
Sachbuch. Quadriga Generation, 154 Seiten.
ISBN: 3-886-79335-4
© Matthias Kehle
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