Klaus Boeldl |
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Studie in Kristallbildung |
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Johannes Grahn lebt als Hotelchauffeur in einem trostlosen Kaff in Ostgrönland. Wenn er
nicht gerade die wenigen Gäste zum Flugplatz fährt, beobachtet er das Leben und die
Natur. In zwei Wachstuchhefte notiert er, wie sich die vielen Arbeitslosen um den Verstand trinken,
wie er sich allmählich mit einem Dorfbewohner anfreundet, wie der Winter mit braunen Wolken
naht und sich das Packeis am Fjord auftürmt. Weshalb Grahn nach Grönland gekommen ist und
weshalb er mit dem Wintereinbruch die Insel wieder verläßt, bleibt unklar. über
seine Vergangenheit erfährt der Leser wenig, allenfalls über seine Kindheit und seine
Träume. Es geschieht wenig in diesem Buch, aber dieses wenige wird von Grahn minutiös
verzeichnet. Der Titel des Buches "Studie in Kristallbildung" mag einen
potentiellen Leser zwar abschrecken, macht aber dennoch Sinn. Grahn verfolgt Geschichten, über
die er gerne nachdenkt, "Geschichten, die vielleicht nicht wirklich etwas bedeuten, aber
gerade deswegen Erinnerungen und Phantasien um sich anordnen wie ein Kristall." Die
Kälte der Landschaft und die Sprödigkeit von Eiskristallen sind es auch, die den
Erzähler selbst auszeichnen. Er registriert kühl und distanziert, was um ihn herum
geschieht und wirkt auf viele Dorfbewohner als ein seltsamer Eindringling. Ganz so ereignislos wie
geschildert bleibt der Roman nicht, denn plötzlich taucht der österreicher Markus Brack
auf, der vorgibt, Grahn zu kennen. Brack nimmt die Trinkgewohnheiten der Einheimischen an und
verwahrlost zusehends. Es stellt sich heraus, daß er der Bräutigam von Agnes war, welche
nach einer kurzen Affaire mit Johannes Grahn bei einem Unfall ums Leben gekommen ist.
© Matthias Kehle
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