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Die Schweizerin Anna reist am Ende ihres Lebens nach Algerien. Sie hat nur ein Ziel: Die
Gräber ihrer beiden algerischen Kinder zu finden, die kurz nach dem 2. Weltkrieg von der
Mudschahidin abgeschlachtet wurden. Anna engagiert einen bettelarmen Jungen, der sie - als
Einheimische verkleidet - ins Gebirge führen soll, doch bald geraten sie in die Fänge von
Terroristen. Anna muss feststellen, dass im Algerien der 90-er Jahre immer noch im Namen Allahs auf
brutalste Weise gemordet wird - der Bürgerkrieg ist erbarmungslos. Weder auf ihr Alter, noch
auf das ihres zehnjährigen Führers nimmt irgendjemand Rücksicht.
Anouar Benmalek, einer der bedeutendsten algerischen Schriftsteller und Mitbegründer des
Komitees gegen Folter, hat kein anklagendes Buch gegen den Terror in seinem Land geschrieben, und
das ist gut so. Er erzählt die Liebesgeschichte des Zirkusmädchens Anna und des
schüchternen Algeriers Nasreddin, die sich finden, sich lieben, um die halbe Welt reisen, mit
ihren Kindern glücklich sind, schließlich diese und sich selbst verlieren. Dabei
geschehen für einen Mitteleuropäer unfassbare Morde, Vergewaltigungen und Hinrichtungen.
Mal ist es die bittere Armut der Menschen auf dem Müllberg, mal sind es die politischen
Hinterlassenschaften der Kolonialherren, die die Menschen zu diesen Grausamkeiten treiben.
Die Geschichte ist in zwei Erzählstränge geteilt und dadurch spannend: In dem Moment, in
dem Anna in höchster Gefahr ist, dreht Benmalek die Uhr um 50 Jahre zurück.
Einem minderbegabten Schriftsteller wäre der Roman missraten, hätte er auf die
"Kraft der Liebe" zwischen Anna und Nasreddin gesetzt, der es gelingt, alle Gefahren zu
meistern. Während keinem Moment ist die Liebesgeschichte kitschig. Dazu sind die Bedrohungen
zu groß.
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