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"Ist das Bett gerichtet, Weib?" "Ja, Ernst, brauchst dich grad noch
reinlegen. Bist satt? Hat's geschmeckt?" "Wenn's net gschmeckt hätt',
hätt' ich's gar nicht gegessen."
So beginnt die Erzählung " Ernst und Else", eine der besseren in dem Band
" Das Leben ist auch nicht mehr das, was es einmal war" von Kuno Bärenbold.
Else wird von ihrem Mann, einem pensionierten Streckenwärter, gnadenlos und brutal
unterdrückt, und erst während er schläft, wagt sie, wenigstens leise den
Cassettenrecorder einzuschalten und - wie jeden Tag - aus dem Fenster in den Hof
"spazierenzuschauen". Die Ruhe und Beschaulichkeit hält nicht lange an;
Ernst wacht auf: "Schalt den Kasten mit dem Kirchenchor ab. Mach Kaffee. Es ist
Zeit."
Der gelernte Zimmermann Kuno Bärenbold, der acht Jahre im Knast saß, darin zur Literatur
und zum Schreiben kam, nach seiner Entlassung verschiedene Berufe ausübte und
schließlich von Martin Walser als "Knast- und Arbeiterschriftsteller"
entdeckt und gefördert wurde, berichtet in seinen ersten beiden Erzählbänden
überwiegend von seinen Erfahrungen im Knast und mit der Arbeit. Hiervon befreit er sich in
seinem dritten Band zugusten von genauen und feinsinnigen Beobachtungen des Alltags und
verschiedener Milieus.
Bärenbold überzeugt nur mit wenigen Erzählungen. Regelrecht peinlich wird er dort,
wo er allzusehr autobiografisch wird und wo er mit dem Zeigefinger auf Mißstände zeigt,
um ihn dann zu erheben. So schildert er Besuche in verschiedenen Beichtstühlen, wo der
Erzähler gesteht, oft zu onanieren. Die Antworten der "Pfaffen" variieren alle ein
wenig; der Unterton ist überall der gleiche: Welch gar sündige Tat! Auch der Bericht
einer alternden Hure, die von ihren berufsbedingten Problemen mit dem älterwerden, den
verschiedenen Kunden und deren Wünschen erzählt, wirkt, als sei Bärenbold zu ihr
gegangen, um Material für eine Story zu bekommen. Das ist Journalismus, aber keine Literatur.
Fazit dieser "Erzählung" ist gleich in der überschrift zu finden:
"Wenn nur die Pfarrer öfter kommen täten."
Bärenbold neigt zu einer Schwarz-Weiß-Malerei, zu Polarisierungen und Klischees. So
heißt ein Dichter, der in einem Café fast ohne Honorar lesen muß, weil er ja
froh zu sein hat, daß er überhaupt lesen der Caféhausbesucher heißt folgerichtig
"Reichmann." Auch sonst besitzen beide alle Eigenheiten, die sich klischeehaft
mit beiden Berufen verbinden. Reichmann kann nicht zur Lesung kommen, weil er "nach
Bombay, der Sonne entgegen" zum "Relaxen" fliegt.
Regelrecht dilettantisch ist pure Aneinanderreihen von (Pseudo-) Jugendsprüchen in einer
anderen "Erzählung":
...auf des Papstes kleinem Pimmel liegt vor lauter Einsamkeit schon Schimmel. Ora et
deflora! Aber in der Pampa ist kein geiles Geschoß zu sehen. Zombige Tanten backen das nicht,
und die scharfe Käthe hat den Föhn. Mach mich nicht naß, Sumpfralle! dröhn ich
in die Klingelbüchse, sonst krieg ich den Rochus und misch dich ab...
undsoweiter.
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