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Es ist eine Wohltat, die bibliophilen Gedicht-Bände des Heidelberger Wunderhorn-Verlags in
der Hand zu halten angesichts der vielen billigen, oft schon im
"Book-on-demand"-Verfahren erschienenen, "Büchlein" oder
"Broschüren".
Hans Arnfried Astel hat sich in seinen "Sternbildern" der japanischen Form des Haikus
angenommen, eine Form, die aus unerfindlichen Gründen bei deutschen Lyrikern sehr beliebt ist.
Fünf, sieben und fünf, bzw. drei, sieben und drei Silben umfassen die dreizeiligen
Gedichte, und damit verlangt diese Form per se äußerste Sprachdisziplin,
äußerste Reduktion von Bildern und Gedanken. Astel gelingt dies zweifellos in einigen
Fällen "Eine Kuh/ schlingert den Fladen/ auf den Weg" oder "Die Grille/
verweilt in der Luft/ als Gedicht"), in anderen schafft er es jedoch, in drei Zeilen
geschwätzig zu sein: "Heißer Kaffee und/die eisgekühlten
Datteln,/süß aus Isfahan."
Poetologisch schreibt Astel gleich zu Beginn: "Das deutsche 'Haiku'/ versöhnt den
Aphorismus/ mit dem Epigramm" - "Haiku" setzt er in Anführungszeichen -, ganz
am Ende notiert er: "In Weimar/ verlaufe ich mich/ zur Schule" - beides kann
programmatisch verstanden werden. Doch die "west-östlichen Konstellationen" Astels
verbinden die östliche Form oft mit entweder rätselhaften Assoziationen ("Eier aus
Granit/ die Kücken einverleibt/ in das Gebirge") oder Bildern aus der griechischen,
mithin westlichen Mythologie ("Epsilon als Zahl./ Siebentoriges Theben./ Daphne und
Apoll"), und diese Haikus klingen leider nur, und zwar seltsam hohl.
Gerade in kurzen Gedichten sucht man gerne nach einem "Sinn", bei Hans Arnfried Astel
sucht man meist vergebens, denn viele der Haikus sind Haikus sind Haikus, und so gelingen ihm
einige wunderbar leichte, lakonische Gedichte, wie sie in der deutschen Gegenwartslyrik, die sich
leider viel zu wichtig nimmt, selten sind:
Sind Engel/
die Flügelmuttern/
der Erde?
Hans-Arnfried Astel. Sternbilder
Lyrik. Wunderhorn, 50 Seiten.
ISBN: 3-884-23158-8
© Matthias Kehle
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