Jakob Arjouni

Kismet

Der Privatdetektiv Kemal Kayankaya wartet mit seinem Freund Slibulsky in einem engen Kneipen-Schrank eingesperrt auf Schutzgelderpresser. Eigentlich wollten die beiden nur ein Exempel statuieren, doch es geht ein wüstes Geballer los, und schließlich liegen die Erpresser mit ihren kreideweiß angemalten Gesichtern tot im Lokal.
Jakob Arjouni erzählt in seinem neuen Kayankaya-Roman einen wunderbar komischen und zugleich spannenden Krimi. Mit der Realität hat die Geschichte allerdings nicht viel zu tun, im Gegenteil, Arjouni fabuliert drauflos. Da ist die brutale neue Schutzgelderpresserbande, die die Frankfurter Szene aufmischen will, die kroatische Mafia, die hinter der Bande steckt, da ist der Fabrikant, der seine Tütensuppen aus Abfällen herstellt oder eine rasante Fahrt mit dem geklauten Schlitten zweier Killer durch die Flure eines Asylantenheims, an dessen Ende die beiden Killer mit gebrochenen Beinen zwischen Auto und Wand eingeklemmt sind. Und schließlich taucht noch ein kleines Mädchen aus dem ehemaligen Jugoslawien auf, das ihre Mutter
sucht - die beiden geben Kayankaya Rätsel auf.
Eine Mafia in Hessen und ein etwas tollpatschiger Ermittler türkischer Herkunft - Arjouni wählt seine Figuren so, dass automatisch komische Situationen entstehen, etwa hessisch babbelnde Erpresser oder rassistische Nachbarn, die sich selbst ad absurdum führen - der Satiriker Arjouni, der sein multikulturelles Deutschland gut kennt, blitzt immer wieder durch. Das ganze ist ein wenig schnoddrig erzählt, mitunter unterläuft Arjouni das eine oder andere Klischee ("ihre Augen sprühten bis zu mir herüber"), doch "Kismet" ist vor allem eines: Brilliante Krimi-Unterhaltung.
Nach "Happy Birthday, Türke" und "Ein Mann, ein Mord" ist "Kismet" ein weiterer Roman, der den eigenwilligen Ermittler Kemal Kayankaya allmählich zu einer Krimi-Kultfigur macht.

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Jakob Arjouni. Kismet
Krimi. Diogenes, Zürich. 36.90 DM .
ISBN: 3-257-06263-X

© Matthias Kehle

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