Leonid Andrejew |
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Der Gedanke |
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Leonid Andrejew (1871-1919) gehört in Russland zu den Klassikern aus der Zeit der letzten Jahrhundertwende, während er in Deutschland weitgehend unbekannt ist. Eine 1986 begonnene Werkausgabe gab der Aufbau-Verlag in der damaligen DDR wieder auf. Nun hat der Barbara Staudacher Verlag, ein Kleinverlag, der ein bibliophiles Buch pro Jahr (!) veröffentlicht, Andrejews Erzählung "Der Gedanke" publiziert, die 1902 zum ersten Mal erschienen war. Es sind die "Aufzeichnungen" des Arztes Dr. Kershenzew, der zum Mörder wird und den Ehemann jener Frau tötet, die seinen Heiratsantrag mit Gelächter quittiert hat. Zur Beobachtung befindet sich Kershenzew unter psychiatrischer Aufsicht. Leonid Andrejew zeichnet die Geschichte eines kalt berechnenden Mörders oder aber eines Wahnsinnigen nach, wobei Dr. Kershenzew selbst darüber verzweifelt: Habe ich mich wahnsinnig gestellt, um zu töten, oder habe ich getötet, weil ich wahnsinnig war? Die mal distanzierten, mal pathetischen Aufzeichnungen lassen den Leser und auch die Richter,
die schließlich über Kershenzew urteilen sollen, im Unklaren - Dr. Kershenzew
übrigens ist eine Figur, die deutlich macht, in welcher literarischenTradition beispielsweise
grausame Killer wie Hannibal Lector stehen. Es geht ... Andrejew nicht um die sensationelle Handlung, sondern darum, an einem besonderen Kriminalfall die fatalen Folgen jener ('westlichen') Trennung von Verstand und Gefühl zu zeigen, d.h. auf ein ganz wesentliches, allgemeinmenschliches Problem aufmerksam zu machen.
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