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Gwyn Barry ist mit allen Klischees eines erfolgreichen Schriftstellers ausgestattet: Er ist mit
idyllischen Utopien zu Reichtum, Schönheit, Sportlichkeit, zahllosen Liebschaften bei nie
versiegender Potenz und überdies glücklicher Ehe gekommen. Richard Tull, sein
ältester Freund und Widerpart hingegen ist ein drittklassiger Rezensent von Biografien in der
"Größe eines Ghettoblasters", erfolgloser Romanautor, starker Raucher
und Trinker in einer gescheiterten Ehe sowie der Alptraum von Gwyn. Richard hat nämlich an
seinem 40-sten Geburtstag beim Blick in den Spiegel mit nachfolgender midlife-crisis beschlossen,
Gwyn zu ruinieren. Der stets angetrunkene, trottelige Richard entwickelt dabei die ungeheure
Phantasie eines Neiders. Er heuert beispielsweise eine Bande von Kleinkriminellen an, die aber
statt Gwyn Richard selbst zusammenschlagen, er versucht vergeblich, mit Gwyns Frau zu schlafen und
schreibt gar Gwyns Bestseller eigenhändig ab, um ihm nach Art der gefälschten
Hitler-Tagebücher, ein Plagiat nachweisen zu können. Gwyn meistert alle Fallen und Finten
mit Bravour, Richard hingegen treibt immer mehr dem Abgrund zu.
Martin Amis Roman "Information" erzählt die Geschichte zweier ungleicher
Freunde und Feinde. Zugleich gelingen ihm einige Tiefblicke in die Seele eines neidischen
Verlierers und die Abgründe eines Literaturbetriebs, der auf der einen Seite Helden
produziert, auf der anderen Seite jedoch "wahre" Poeten ausbeutet und ruiniert -
ironischerweise arbeitet Richard als Lektor bei einem der obskuren Verlage, welche Autoren für
eine Veröffentlichung Geld abknöpfen.
Sicherlich, der Roman erzählt typisch Allzumenschliches und das noch in einer bildreichen
Sprache, die die Niederungen von Richards Alltag und seine Machenschaften aufs trefflichste
beleuchtet. Aber ist das, was an dem Roman komisch sein soll, auch wirklich komisch? Ist es
komisch, daß man bei der Lektüre von Richards Roman "einen Anfall von Diplopie
oder Doppelsichtigkeit" erleidet bzw. von schweren Krankheiten befallen wird? Ist es
komisch, wenn Richard die gesamte Auflage des Romans in einem Postsack durch die Vereinigten
Staaten schleift und außerdem mit dessen Gewicht das Flugzeug, mit dem er und Gwyn unterwegs
sind, fast zum Absturz bringt? Zu der fragwürdigen Slapstick-Komik gesellen sich auch noch
reichlich sprachliche Patzer, die nicht immer durch eine schlechte übersetzung ("in
einem hitzig rosanen Aerobicanzug") zu entschuldigen sind: "Es ist Abend, und
das Blutbad des Sonnenunterganges ist über die Dächer verspritzt."
Seltsamerweise gelingen dem Autor gelegentlich bemerkenswert stimmige Bilder: Er "sah
einen ganz schwachen Wirbel dünnster Bewölkung, wie ein abgewischter Tisch in den letzten
Sekunden vor dem Trocknen der Feuchtigkeit". Bei genauerer Betrachtung finden sich im
vielgelobten Roman des "enfant terrible des englischen Literaturbetriebs"
weitere Unzulänglichkeiten. Da ist nicht nur seine Vorliebe für kosmologische Vergleiche,
die einen mitunter rätseln lassen, was das ganze soll, da sind nicht minder rätselhafte
Dialoge in der kriminellen Straßenszene Londons, deren Sinn möglicherweise bei der
übersetzung auf der Strecke blieb. Was bleibt, ist ein kurzweiliger Einblick in eine
Literaturszene, die von schrägen Vögeln und obskuren Intrigen nur so wimmelt, allerdings
mit schweren sprachlichen Mängeln.
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