Soazig Aaron

Klaras Nein

Es klingt schier unmöglich: Eine 1949 geborene Autorin schreibt über Auschwitz-Erfahrungen. Soazig Aaron versucht dies in ihrer Debut-Erzählung, und sie tut es in sehr behutsamer und indirekter Weise.
Klara kehrt von Auschwitz zurück, ihre Pariser Freundin berichtet von den Gesprächen mit ihr in einer Art Tagebuch. Stockend, oft scheinbar emotionslos erzählt Klara, wie sie in Auschwitz nach und nach erst ihre Freundinnen, dann ein verstörtes Waisenkind, schließlich ihr Lachen und ihre Tränen verlor. Ihre Freundin notiert und lernt von Klara, die allmählich von dem Arzt Alban körperlich wieder aufgepäppelt wird, wie es ist, ganz unten angelangt zu sein und wiederkehren zu müssen - auf ihrem Weg von Auschwitz über Berlin nach Paris beging Klara zwei Morde. Nun verweigert Klara sich einem normalen Leben, vor allem aber, ihr Kind wiederzusehen. Paris bleibt nur eine Zwischenstation beim Verlassen Europas.
Die indirekte, knappe und lakonische Erzählweise macht die Figur Klaras überzeugend - über literarische Kritik ist "Klaras Nein" ohne Zweifel erhaben. Jorge Semprun schreibt im Vorwort von seiner Furcht, dass mit dem Tod des letzten Ausschwitz-Überlebenden "die Vernichtung kein Erlebnis (mehr) sein (werde), dessen existentieller Inhalt und subjektive Eigenheit bisher durch schriftliche oder mündliche Zeugnisse übermittelt worden sind." Die kollektive Erinnerung verändere sich also, es sei denn, eine neue Generation von Autoren schaffe Werke, "kühn in der Erfindung oder der getreuen Rekonstruktion der Wahrheit; bescheiden in der peinlichen Beachtung des Wahrscheinlichen; Werke, die es wagen, sich dieser erschütternden Herausforderung zu stellen."
Diese Anmerkungen gelten uneingeschränkt für "Klaras Nein." Zu fragen bleibt, ob die Generationen, die andererseits den Begriff "Moralkeule" in Zusammenhang mit Auschwitz in den Mund nehmen, durch solche nicht-authentischen Erzählungen den Holocaust doch fiktionalisieren und damit der historischen Realität entheben.

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Soazig Aaron: Klaras Nein. Tagebuch-Erzählung. Aus dem Französischen von Grete Osterwald. Friedenauer Presse, 188 Seiten, 19,50 Euro,
ISBN 3-932109-32-5