Kokosnuß-
haltestellen

aus:
Pappert-Geschichten.
Alkyon 2003

[Foto] Detail einer Kokosnuss. Foto: K. Bohlig
[Grafik] Das kleine Dings, lachend. Gemalt von Timo B.

Pappert hört im Radio einen Bericht über eine Südseeinsel. Ein Bus fährt jeden Morgen von Dorf zu Dorf und sammelt die Einheimischen auf. Endstation ist der Strand. An den Haltestellen hält der Bus nur dann, wenn die Einheimischen, die mitfahren möchten, eine Kokosnuß an den Straßenrand gelegt haben.

Was aber, denkt Pappert, wenn zufällig von einer Kokospalme eine Kokosnuß zu Boden fällt, der Bus hält und der Busfahrer vergeblich auf die Fahrgäste wartet? Wie lange wartet der Busfahrer? Und überhaupt: wieviele Leute wollen auf einer Südseeinsel mit dem Bus fahren? Pappert stellt sich eher Südseebewohner auf Fahrrädern vor als welche in stickigen Bussen, schließlich scheint auf Südseeinseln immer die Sonne.

Pappert überlegt, was wohl wäre, wenn er dem Busfahrer, mit dem er jeden Morgen in die Stadt fährt, sagen würde, er brauche nur dann anzuhalten, wenn eine Kokosnuß an der Haltestelle liegt, an der er einsteigt? Schließlich ist er, Pappert, der einzige, der an dieser Haltestelle einsteigt, und das auch nicht jeden Tag, sondern nur dann, wenn schlechtes Wetter ist. Aber bei strömendem Regen oder bei Nebel fiele dem Busfahrer eine Kokosnuß am Straßenrand überhaupt nicht auf.

Busfahren auf Südseeinseln muß schön sein, denkt Pappert.

© Matthias Kehle

Seitenanfang
 

Last modified: 02.09.2008, 19:45.


© Matthias Kehle [Inhalte]
© Kirsten Bohlig, KirA-Design 2004 - 2012 [Design/Webwork].