2009
Fundus

Süddeutsche Zeitung online:

Das beste Beispiel für kritischen Regionalismus ist der Badener Matthias Kehle. Dieser Lyriker hat eine Reife erreicht, daß er locker in seinen Fundus greifen kann. Kehle versenkt sich an oft ungewöhnlichen Erinnerungsorten tief ein in die Psyche des Badischen und entwirft dabei ganz nebenbei eine Kulturgeschichte der versunkenen BRD. Anwesend ist das Abwesende bei Kehle in der Bipolarität der unentzifferten Zeichen. Fesselnde Fiktion lebt vom Spezifischen, er kompiliert klug Zitate aus Forschungs- und Populärliteratur, Reportagen und historische Anekdoten. Als Flaneur entdeckt er auf neuen Wegen das Innere von Karlsruhe und Umgebung. Mit zergliederndem Blick beobachtet er Jogger und Fahrradfahrer. Daß ihm dabei jedes poetische Mittel recht ist und er selbstredend auch den Kalauer nicht verschmäht, demonstriert die Demut und völlige Dünkellosigkeit dieses Lyrikers. Für Proust bedeutet Erinnerung die Suche nach verborgenen Augenblicken des Glücks, für Kehle sind Erinnerungen gleichsam Sammellinsen für lyrische Stoffe. Dieser Lyriker ist ein Fraktalkünstler, das große Ganze setzt er aus eigenen Miniaturen zusammen und spiegelt ein lyrisches Ich in die Welt zurück."
Matthias Hagedorn in Jetzt, Süddeutsche Zeitung online
 



2007
Drahtamseln

[Abb.] Cover des Buchtitels

Flyer zu den Drahtamseln
[weboptimiertes PDF, 122 KB]
mit schriftlicher Bestellmöglichkeit und einem Buchzeichen als Bastelarbeit

Gedicht: Rastplatz, Anfang März.

Badische Neueste Nachrichten, Michael Hübl

Gedichte mit einer minimalistischen Leichtigkeit… Die schwebende Unbeschwertheit, die da anklingt und die zugleich getragen wird von höchster sprachlicher Präzision, macht den sanften Reiz dieser Lyrik aus.
 

Neue Zürcher Zeitung, Juni 2007

Matthias Kehle siedelt seine kurzen Gedichte manchmal an jener Grenzlinie an, wo das Unspektakuläre auf das Besondere treffen kann. Lapidare Notizen entstehen bei dieser lyrischen Inventarisierung, verhalten im Ton und fern jeder Üppigkeit (…) Genau hinhören, aufmerksam hinblicken und dabei auch die 'Lesarten des Rückwegs' bedenken - das führen Matthias Kehles Gedichte unaufdringlich vor.
 

Badische Neueste Nachrichten, Michael Hübl

Gedichte mit einer minimalistischen Leichtigkeit… Die schwebende Unbeschwertheit, die da anklingt und die zugleich getragen wird von höchster sprachlicher Präzision, macht den sanften Reiz dieser Lyrik aus.
 

Die Rheinpfalz, Gabriele Weingartner

Auf ein Spiel mit Worten setzt er kaum je in seinen Poemen, die den Alltag, Naturerfahrungen, selbst zufällige Begegnungen bei Karstadt und Edeka auf lakonisch spröde Art thematisieren. Eine Art Spiel erlaubt er sich höchstens mit seinen Zeilenbrüchen, mit dem bewussten Auseinanderrücken nicht nur von semantischen, sondern auch metaphorischen Selbstverständlichkeiten. Er konterkariert, aber er provoziert nicht. Was heißt: Er lässt seine Leser über die Zeilen stolpern und erreicht dabei nicht nur deren erhöhte Konzentration, sondern gibt ihnen zugleich ein Gespür für die Doppelbödigkeit poetischer Texturen.
 

Badisches Tagblatt, Ute Bauermeister

Wie ein Leuchtkegel sprühen diese spröden Verse ins Gedächtnisdunkel und verflechten Gedanken zu kalkulierten Sprachrhythmen. Kehle schlägt Kerben in seine Sätze und hinterlässt splittrige Fasern, rau und formschön, fast haptisch wie das Holzgebilde auf dem Umschlag.
 

Titel-Magazin

So leicht gedichtet! Ja, es ist schon eine Kunst, die Worte so sicher zu setzen, wie es Matthias Kehle hier tut. So sicher, dass eine leise, ganz eigene Melodik entsteht, die nie über das auszuwachsen sucht, was sie ureigentlich ist… Lassen Sie sich beim Lesen einmal mittreiben von dieser subtilen Rhythmik, die dem Vokalgewoge den Takt vorgibt…
 

Liberal, Lutz Rathenow

Eine Art fröhlicher Reiner Kunze, der kurze Verse zu bauen versucht, die größere Assoziationsräume öffnen. Kehles Gedichte zwitschern uns an.
 

Schwarzwälder Bote, 7. September 2007, Wolfram Lotz

[Matthias Kehle] liest behutsam seine Texte, jedes Gedicht zweimal, und das aus gutem Grund: Verhalten im Ton, sind die Texte von erstaunlicher Präzision und entfalten sich gänzlich erst beim konzentrierten Zuhören. Der Karlsruher Lyriker entwirft mit karger Sprache skizzenhaft ganze Landschaften… Behutsam läßt Kehle seine Sprache in kleine Scherben zerfallen, bis jede einzelne, jedes Wort anfängt zu schillern.
 



2003
Farben wie Münzen

Abbildung: Buchcover von Farben wie Münzen

Gedicht: Farben wie Münzen.


Und doch ist das Ausgelassene anwesend…

SWR 2, Matthias Kußmann:

Matthias Kehles literarische Devise lautet: Weglassen, weglassen, weglassen. Er reduziert seine Erzählungen und Gedichte immer aufs einfachste und notwendigste. Kehle geht es um Stimmungen, Atmosphäre (…) Doch nicht nur Verknappung und Vereinfachung kennzeichnen seine Arbeit, Kehle besteht zugleich auf der Vieldeutigkeit und dem Rätsel-Charakter des lyrischen Ausdrucks. Es entsteht Raum für die Phantasie des Lesers.
 

Stuttgarter Zeitung, Nico Bleutge:

Die Gedichte von Matthias Kehle scheuen den großen Atemzug, der Raumzwischen den Worten ist jedoch so groß, dass sich hier wahre Bedeutungsfächer aufspannenlassen. Meist sind es unscheinbare Beobachtungen oder Erinnerungsspuren (…) Liebeszeilen reihen sich an feine Trauergedichte, lyrische Porträts an nervöse Naturskizzen.
 

Badisches Tagblatt:

prägnante und betörende Zeilen.
 

Südwestpresse:

Schlichte Momentaufnahmen, eingefrorene Impulse, erinnerte Begegnungen verdichten sich in kleinsten melodiösen Kurzgedichten.
 

Schwäbische Zeitung:

Bilder von anrührender Schlichtheit.
 

Walter Helmut Fritz im Nachwort zu Farben wie Münzen:

Die Gedichte von Matthias Kehle bedürfen gewiß keiner 'Auslegungsversuche'. Ihr 'stilles Wirken' verdankt sich ihren vergleichsweise unauffälligen Wahrnehmungen.

›Das gesamte Nachwort lesen

"Über Gedichte ist schwer reden. Schwer für den Undichterischen, schwerer für den Dichterischen. Und zu wem? Wer selbst mit Gedichten Umgang hat, will nicht belehrt sein. Wer ihn nicht hat, ist kaum zu belehren. Bedarf das stille Wirken eines Gedichts unter den Menschen solcher Auslegungsversuche?"

So beginnt Max Kommerells Buch "Gedanken über Gedichte". Mit der Mitteilung von Erfahrungen, mit Fragen. Wer Gedichte schreibt oder liest, wird die Sätze als richtig empfinden. Die Gedichte von Matthias Kehle bedürfen gewiß keiner "Auslegungsversuche". Ihr "stilles Wirken" verdankt sich ihren vergleichsweise unauffälligen Wahrnehmungen. Eines heißt ›"Alter Winzer":

Bei der Weinlese sitzt er
noch dabei
prüft den Geschmack
des erloschenen Sommers.

Tage später geht er
durch die Zeilen der Reben
und liest Steine,
mit denen er den
Schotterweg im Garten füllt.

Man sieht, Matthias Kehle läßt viel von dem weg, was man über den alten Mann sagen könnte. Und doch ist das Ausgelassene anwesend in den beiden unscheinbaren Worten "noch dabei", die für den dafür empfänglichen Leser Gefühle, Einsichten, Vorstellungen zur Schwingung bringen, ohne daß diese eigens ausgesprochen werden. Mit wenigen Strichen entsteht der andeutende Umriß eines Menschen.

Kehle bevorzugt Strophen, deren wesentliches Kennzeichen - bei aller Klarheit des Gesagten - Verschwiegenheit ist. Er notiert scheinbar Beiläufiges, etwa die "schnell trocknende Feuchtigkeit/ des eben gewischten Tisches". Handelt es sich in diesen Zeilen gleichsam um eine Nachschrift der Realität, so zeigt sich an anderer Stelle - wieder kommt ein Tisch in den Blick - daß Phantasie eine überraschende Sicht ermöglicht, wenn etwa davon die Rede ist, "wie die Kirschen/ entlangspazieren an der Tischkante".

Es sind überwiegend einfache Vorgänge, die Kehles Aufmerksamkeit herausfordern. Überzeugend ist ihre Darstellung, wenn sie sich zu einem prägnanten Bild verdichtet, zum Beispiel in diesen Versen:

Straßenbeleuchtung -
Radfahrer die
nachts immer wieder
von ihren Schatten
überholt werden.

Eine Beobachtung. Sie wird durchsichtig auf die Tatsache hin, daß auch wir immer wieder von unseren Schatten, von Schatten überhaupt, überholt werden; daß wir - in den verschiedensten Weisen - mit ihnen zu tun haben; daß wir mit den Bedrohungen, für die sie stehen, leben müssen; daß wir die Bodenlosigkeiten nicht außer acht lassen können, über denen Dasein sich vollzieht, auch wenn das sprechende Ich zu sich sagt:

Du gehst als hättest du
Boden unter den Füßen
Zeit dich auszuruhn.

Badische Neueste Nachrichten, 11. März 2003, Michael Hübl:

Mit Haiku-mäßiger Stringenz präsentieren sich die Gedichte von Matthias Kehle (…) Die Themen und Gegenstände, denen sich der Autor widmet, (sind) alltägliche Beobachtungen am Rande des Geschwindigkeitsrauschs (…) Manchmal reißt er der Realität die Oberflächlichkeit weg. Und weil sie vielschichtig ist, muss es auch die Sprache sein (…) Nicht selten entstehen dann schwermütig-dichte Bilder, die das Heute erfassen, ohne seine schrillen Requisiten zu benötigen.
 

Badische Neueste Nachrichten, 13. März 2003, Ute Bauermeister:

In den knappen, präzise und melodiös gebauten Gedichten verbirgt sich ein geheimnisvoller Kern elementarer Reflexionen (…) Eine lakonische Poesie voller Trauer.
 

Badisches Tagblatt, 15. März 2003, Irene Schröder:

Gedichte — Basteln mit Worten
BT-Leser kennen seinen Namen als Verfasser spitzfedriger Theaterkritiken oder Buchrezensionen; wenigen dürfte dagegen bekannt sein, dass der 36-Jährige zu den großen Namen der baden-württembergischen Literaturszene zählt. Gerade ist sein Lyrikband "Farben wie Münzen" im angesehenen Rimbaud Verlag erschienen – das Ergebnis sechsjährigen Feilens am Wort. [...]

›Die gesamte Kritik lesen

Seit sein erstes Buch 1992 erschien, hat Matthias Kehle aufhorchen lassen: Im Gegensatz zu vielen anderen Lyrikern blieben ihm richtig böse Verrisse erspart, gleich vier Verlage wollten sein jüngstes Werk veröffentlichen. "Es ist eine schmale Leserschaft, da sind tausend Exemplare schon viel", räumt er ein, glaubt aber an die Zukunft der jungen Literatur, um deren Förderung er selbst sich in seiner Funktion als Mitglied des Vorstands des Schriftstellerverbandes Baden-Württemberg besonders bemüht. Ihm geht es – bei aller Ernsthaftigkeit der Themen – um den Spaß an der Literatur, den er gern auch Schülern vermittelt. In Schulen liest er allerdings "nur" Prosa, für die sinnliche Wahrnehmung von Gedichten fehle den Jugendlichen wegen des auf Literatur-Analyse ausgerichteten Deutsch-Unterrichts das Gespür. "Lyrik könnte ich theoretisch auch nicht vermitteln", sagt Kehle, hat aber keine Sorge, dass den Jugendlichen der Zugang zu Gedichten generell verschlossen bleibt. "In der Pubertät schreibt doch jeder mal ein Gedicht", meint er, und entdeckt auch im Rap Verbindungen zur Lyrik. Sein Stil sind die starken Bilder, die wenige Zeilen heraufbeschwören können, alltägliche Situationen mit einem Hauch von Rätsel.

Den Lyriker Kehle bezeichnet er selbst als "Bastler mit Worten und Fragmenten", während der Erzähler Kehle sich oft von einem Satz oder einer Episode zum Schreiben verführen lasse. An seinen Erzählungen schreibt oft der Journalist Kehle mit, der auch schon mal ein paar eigene Erlebnisse in die Geschichte einfließen lässt. "Freier Journalist und Schriftsteller" lautet seine Berufsbezeichnung, seit er 1992 seinen "bürgerlichen" Beruf als Soziologe an der Karlsruher Universität an den Nagel hängen konnte. In Heidelberg und Karlsruhe hat er Germanistik und Soziologie studiert, seit 1987 Lyrik und Prosa in Zeitschriften, Anthologien und im Rundfunk veröffentlicht, Reportagen, Feuilletons und Kritiken verfasst, als Herausgeber gearbeitet und mehrere Bücher veröffentlicht.

Das klingt nach viel Erfolg, doch Kehle winkt geradezu erschreckt ab – "bloß keine Karriere, viel zu viel Stress neben dem Schreiben." Zu einer Karriere würde beispielsweise die Bewerbung um eine Stadtschreiberstelle gehören – "und dann lande ich vielleicht irgendwo in der Pampa in Mecklenburg-Vorpommern und kann nicht weg", schüttelt sich der überzeugte Karlsruher. Da engagiert er sich doch lieber für den talentierten Nachwuchs, auch wenn "90 Prozent der Sachen, die mir zur Prüfung geschickt werden, nach meinem Gefühl nix taugen." Talenten verhilft er gern zu Lesungen, Stipendien und Fördermitteln, auch wenn diese im Zuge der allgemeinen Sparmaßnahmen immer spärlicher fließen.

Matthias Kehles nächstes Buch wird schon im Herbst erscheinen: Geschichten um einen liebenswerten Chaoten namens Pappert, dem einige Freunde deutliche Ähnlichkeit mit dem Verfasser bescheinigen. Nach diesen "Fingerübungen" will sich Kehle aber erst einmal Zeit mit dem nächsten Buch lassen – schließlich locken noch viele Bergwanderungen mit seiner Frau, die ihn nicht nur zu zarten Liebesgedichten inspiriert, sondern deren Beobachtungen schon öfter in seinen Gedichten "verarbeitet" wurden.

Falter, Wiener Stadtmagazin 23/2003:

[Kehle] widmet sich ausnahmslos Themen, die der Exzentrik des hochkulturellen Mainstreams und des post-postmodernen Geniekultus ums Schweben im sprachakrobatischen Raum entgegenstehen… ein verbaler Bildband über das Lebensareal Provinz.
 

Am Erker, Zeitschrift für Literatur Nr. 45:

Kehle verwandelt Farben in poetische Münze… Dabei verwendet er weder eine auffällig polierte Sprache noch sucht er nach gediegen schimmernden Wörtern… Er vermeidet es, Dinge mit Bedeutung aufzuladen, und ermöglicht gerade dadurch, solche wahrzunehmen. 



1999
Belebte Plätze

Gedicht: Für Anja.

Schwäbische Zeitung:

Knapp und lakonisch, stark konzentriert, fast aphoristisch ist sein Stil. Kleine Portraits zeichnet er mit spitzer Feder und mit mikroskopischem Blick auf die Seele… Seine Liebesgedichte sind asketische Vexierbilder.
 

Badisches Tagblatt, Badische Neueste Nachrichten:

Kehle gelingen Portraits, die unter ihrer vermeintlich schlichten Oberfläche ans Abgründige reichen… Es sind verhaltene Texte, lakonische Stimmungsbilder, in denen Stille und Geräusch, Ruhe und Bewegung präzise und eindringlich zur Sprache kommen.
 

Das Gedicht Nr. 9. Hg. Anton G. Leitner:

Kompakte, genau gearbeitete Texte (…) welche das spannungsvolle Verhältnis von Nähe und Ferne, von Erinnerung und Vergegenwärtigung bewußt halten. Aus der Versprachlichung des Augenblicks und der Annäherung an Zwischen-Räume und Lücken, an das 'was nicht geschah', gewinnt Kehle sehr offene Gedichte.
 



1996
Vorübergehende Nähe

Ausschnitt aus dem Werbeflyer zu Vorübergehende Nähe

Ausschnitt aus dem Flyer zur Neuausgabe im Jahr 2005 von
Vorübergehende Nähe

Gedicht: Von kleiner Statur.

Stuttgarter Zeitung (2005)

Es sind Bilder, die der Dichter Matthias Kehle einfängt, als wären lyrische Gebilde etwas wie eine optische Apparatur. Ihr Perspektiv richtet sich auf das Vorübergehende, um es für einen Augenblick festzuhalten, bevor es sich wieder zerstreut oder vom Zyklus der Zeit fortgetragen wird. Wie die Menschen, derer ein Teil dieser Gedichte gedenken, wie die Natur, in deren Angesicht sich ihr Leben vollzieht. "Ein Bauer pflügt Raps unter./ Ein Film ohne Abspann,/ während der Acker/ eindunkelt." Das ist Herbst. Lakonischer wurde dieser lyrische Topos selten abgesteckt (…) Das leere weiße Blatt als eine Art Fotopapier, auf dem die Aufnahmen des Lebens imaginär Gestalt annähmen… Kehle hat seinen Gedichtband zehn Jahre nach Erscheinen einer erneuten Durchsicht unterzogen - weitere Konzentration und Verknappung auf dem Weg zu maximaler Welthaltigkeit eines von Worten beinahe gereinigten Blattes Papier
 

SWR 2 Kultur - Buchtippp (2005)

(Kehle) reduziert seine Gedichte, die meist von Alltagsbeobachtungen ausgehen, aufs Einfachste und Notwendige… Allerdings wirken seine Texte dadurch nicht spröde oder karg. Im Gegenteil: Sie bleiben lebendig und sind fast immer gut lesbar… Gerade am Anfang des Buches gibt es jene Kehle-typischen Porträts, die in wenigen Strichen einen Menschen in seiner Komplexität und seinen Abgründen kenntlich machen.
 

Die Rheinpfalz:

Einem Fotografen gleich, packt Kehle zu.
 

Badisches Tagblatt:

Subtile Bilder von ergreifender Schönheit.
 

Badische Neueste Nachrichten:

Miniaturen des Alltags und kleine Portraits, die aus klarer Beobachtung entstanden sind. Was diesen schön gestalteten Band auszeichnet, ist die Kunst der Reduzierung von Wahrnehmungen, die Verbindung von innerer Offenheit und verbaler Distanzierung.
 

Klappe Auf Kulturmagazin:

Kehle hat ein untrügliches Rhythmusgefühl, Charaktere umreißt er mit wenigen treffenden Worten, wie er auch Stimmungen mit ein paar Attributen hervorzurufen versteht. Am stärksten ist er, wenn er präzise und lakonisch Menschen skizziert.
 

Flugasche, Literaturzeitschrift:

Gedichte von einer präzisen Sprachartistik und einem raffiniert gebauten Rhythmus.
 



2003
Pappert-Geschichten

[Grafik] Das kleine Dings, lachend

Das Motiv des Buchcovers zu den Pappert-Geschichten.
"Das kleine Dings - lachend"
Gemalt von Timo Bohlig (im Alter von 4 Jahren)

Kokosnußhaltestellen.

Klappe Auf Kulturmagazin, November 2003:

… ein grotesk-komischer, leicht surrealer Episodenreigen…
 

Michael Hübl, Badische Neueste Nachrichten, 9. September 2003:

Und wann klappt´s mit Frau Antje?
Minutiöse Beobachtungen aus dem Alltagsleben mit viel Sinn fürs Absurde.
Pappert klingt wie 'plappert', und tatsächlich erzählen die 'Pappert-Geschichten', die Matthias Kehle jetzt herausgebracht hat, von Alltagsbeobachtungen und -ereignissen, wie sie jeder von sich geben könnte. Kehle schreibt über bombastische Werbeprospekte für Designprodukte, über eine Fahrt im Regionalexpress Stuttgart-Karlsruhe, ja selbst der Tod des Elefanten Trulli aus dem hiesigen Zoo findet in seinen Geschichten Niederschlag. Aber kann das wirklich jeder so erzählen?
[…]

›Die gesamte Kritik lesen

[…] Kehle, von der Ausbildung Soziologe, von Beruf Literat, hat ein ausgeprägtes Gespür für die ganz gewöhnlichen Schieflagen, Unstimmigkeiten oder die stillen Lebenslügen, die vielfach die Daseinsbewältigung begleiten. Sein wissenschaftliches Fach, in dem sich Kehle durch mehrere Veröffentlichungen zu Wort gemeldet hat, definiert sich nicht zuletzt über die genaue Beobachtung gesellschaftlicher Zustände und Entwicklungen. Diese Punktgenauigkeit bestimmt auch seine Erzählungen um den Single Pappert, der in lockerer, aber nicht ganz befriedigender Beziehungslosigkeit seine Tage verbringt. Sonntags gönnt er sich Brötchen, "und nicht dieses Schokomüsli, das Pappert jeden Morgen in sich hineinwürgt." Außerdem führt er Visitenkarten bei sich und wäre bei Dichterlesungen bereit, spontan für Autoren einzuspringen, die nicht auftauchen.

Aber dann spielt ihm doch sein offenbar nicht sonderlich ausgeprägtes Selbstbewusstsein einen Streich: "Wenn er, Pappert, jetzt nach vorne ginge, um etwas vorzutragen, würde wahrscheinlich wieder jemand fragen: "Pappert sind Sie's?" Vielleicht ist es dieses gedämpft-abgepufferte Durchsetzungsvermögen, weshalb er bei Frau Antje nicht so recht vorankommt. Sie ist das Ziel seiner unerfüllten sexuellen Wünsche und zugleich lose Partnerin, mit der ihn eine vage Nähe verbindet. "Pappert denkt, ich werde sie nie rumkriegen." - und er hat auch allen Anlass für diese Vermutung, denn mal ist Frau Antje ("Wieso nennt du mich eigentlich Frau Antje?") zu besoffen, mal hat sie gerade wieder einen neuen Freund.

Grund genug, um auszurasten? Nein, Pappert beläßt es bei einer nachgerade phlegmatischen Bestandsaufnahme: Pappert fasst für sich zusammen: Er säuft, kriegt nachts keinen mehr hoch, erwacht mit Restalkohol, gibt kein Wort von sich, röhrt "I was born under a wandrin' star'", hat einen Radieschentick und ist untreu bis zum Gehtnichtmehr. Was findet Frau Antje an diesem Ekelpaket?" Die Antwort bleibt offen, wie immer bei Kehle, und das macht den Reiz seiner Geschichten aus, in denen immer noch ein unerwarteter Dreh steckt, wenn sie nicht gerade in wunderbar unverschämter Direktheit die Absurditäten der Gegenwart und mancher ihrer Zeitgenossen offenlegen. Kehles analytischer Blick hält das Sonnen-Bassermann-3-Kammer-Schalenmenü im Visier wie die penible Toilettenordnung einer Frauen-WG oder den sadistischen Autowahn eines Golf-Fahrers und trifft dabei mitten ins Schwarze einer Gesellschaft, die lediglich von Außen bunt ist.

Die Rheinpfalz:

Sind wir nicht alle ein bisschen Pappert?
 

Stuttgarter Zeitung, 18. Februar 2004:

… köstlich, groteske Geschichten, in denen ein kauziger Antiheld die Untiefen unseres Alltags auslotet.
 

Federwelt Nr. 45, April/ Mai 2004:

Kehle legt keinen Wert auf Schlusspointen, sondern liefert schlaglichtartige Einblicke in das Leben eines Menschen, der an allen möglichen Dingen scheitert, dies aber souverän hinnimmt. Dem Autor ist es gelungen, einen völlig eigenständigen Ton zu treffen, der seinen seltsam emotionslosen, leicht chaotischen und ziemlich verschrobenen Pappert so lebendig erscheinen läßt, dass man nach wenigen Seiten glaubt, ihn persönlich zu kennen. Ein Buch voller Witz und Charme, das zudem sämtlichen Klischees eine lange Nase zeigt.
 



1992
Elfmeterschießen

Südwestfunk:

Er hat Geschichten geschrieben, die manchmal ernst, oft witzig und bisweilen auch bitter sind. Karl Valentin läßt da und dort grüßen, und am Ende von manchem Text sitzt man auch etwas verstört da. Aber so ist es wohl: das Leben, bisweilen sogar kabarettreif.
 

Badische Neueste Nachrichten:

Ein faszinierender und irritierender Buch-Erstling.
 

Klappe Auf Kulturmagazin, Karlsruhe:

Kehle hat einen Sinn für das Absurde und für das Groteskkomische. Dieses Buch steckt voller angenehmer Überraschungen.
 

Schauplatz Baden-Baden:

Kehles Geschichten sind dort am besten, wo sie die ein gespielten Verhältnisse auf den Kopf stellen, wo aus bekannten Elementen eine neue, phantastische Welt entsteht.
 

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Last modified: 21.01.2010, 16:57.


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